SLOW PLAY
nter den zahlreichen Pokerstrategie Varianten, die es sowohl beim online Poker als auch in einem richtigen Kasino gibt, zählt das sogenannte Slow Play zu den Arten, die als trügerisches Spielen angesehen werden. Aus diesem Grund nennt man das Slow Play Spielen auch Sandbagging oder Trapping. Entscheidet man sich zu einem Slow Play, hat man hierbei meist eine sehr starke Hand vorzuweisen, welche hohe Erfolgsaussichten bietet. Trotz dieses Umstandes geht man beim Slow Play spielen eher passiv vor und platziert lediglich schwache Wetten. Der Nutzen, der aus diesem Verhalten gewonnen werden soll, ist der, dass die anderen Mitspieler die Meinung gewinnen, dass sie ein besseres Blatt auf der Hand halten. Daraus resultieren dann meist höhere Einsätze und der Topf füllt sich Zusehens. Dies wiederum kommt selbstverständlich dem Spieler zugute, der sich mit seiner sehr starken Hand zu einem Slow Play entschlossen hat. Das Paradebeispiel stellt hier der sogenannte Flat Call dar.
Ein Lohnendes Slow Play sollte zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Der Autor David Slansky hat dazu folgende Voraussetzungen aufgestellt:
•Ein Spieler, der Slow Play einsetzen möchte, braucht unbedingt eine sehr starke Hand.
•Die freie oder auch billige Karte, die man seinem Gegner erlaubt, sollte sehr gute Chancen bieten, dass dieser die zweitbeste Hand bilden kann.
•Des Weiteren sollte dieselbe freie Karte den Gegnern keine Möglichkeit bieten, eine bessere Hand zu bilden oder eine Hand mit Zeichnung, die in den folgenden Runden durch ausreichende Pot Odds einen Call rechtfertigt.
•Außerdem sollte der Spieler daran glauben, dass er durch eine aggressive Spielweise die Gegner aus dem Spiel vertreiben kann, der zu gewinnende Pot jedoch umso größer wird, je mehr Gegner im Spiel bleiben.
•Zu guter Letzt sollte der Topf zu diesem Zeitpunkt noch nicht besonders groß sein.
Nachfolgend ein Beispiel in der Pokervariante Seven Card Stud
Nennen wir unseren Spieler einmal Hans. Nun nehmen wir einmal an, dass die ersten drei Karten, die Hans in diesem Spiel bekommt, allesamt Vieren sind. Einer der Gegner von Hans ist Sofia. Diese hat einen König auf der Hand und macht ihre erste Wette. Darauf folgt ein Raise von Hans, wodurch Sofia wiederum einen Call macht. Nun gehen wir davon aus, das Sofia in der nächsten Runde einen weiteren König erhält und Hans den letzten Vierer erhält. Sofia hält nun ein Königspaar auf der Hand, während Hans nun ein Four of a Kind mit seinen vier Vieren bilden kann. Selbstverständlich stellen beide Spieler nun Vermutungen an, was der Gegner auf der Hand hält. So geht Sofia davon aus, dass Hans entweder zwei Paare oder einen Drilling vorweisen kann. Im Gegenzug vermutet Hans, dass Sofia entweder zwei Paare oder drei Könige auf der Hand hält. Im Anschluss daran, tätigt Sofia ihre nächste Wette, woraufhin Hans einen Flat Call macht. Gleichzeitig fasst Hans einen Plan. Er beschließt, lediglich für die nächsten ein oder zwei Runden zu callen und eventuell sogar zu checken, anstatt zu erhöhen, wenn Sofia keine Wette macht. Der Hintergrund für diesen Plan hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Hand von Hans so stark, dass er sich keine Sorgen machen muss, dass er von einem anderen Spieler, also auch von Sofia geschlagen werden könnte. Trotzdem sollte Hans mit Vorsicht vorgehen. Für den Fall, dass Sofia nur zwei Paare auf der Hand hat, und sie zu dem Schluss kommen würde, dass Hans mindestens einen Drilling vorweisen kann, besteht die Möglichkeit, dass Sofia aussteigt. Aus diesem Grund ist es für Hans sinnvoller, Sofia durch geringe Wetten in dem Glauben zu lassen, dass ihre Hand Erfolg versprechend ist. Dadurch besteht die Chance, dass Sofia sich zu einem Raise oder wenigsten zu einem Call in den nächsten Runden entschließt. Dadurch steigt die Summe im Topf stetig, und Hans kann mit seiner sehr starken Hand auf einen höheren Gewinn hoffen.
Was das Slow Play und den Bluff miteinander verbindet?
Findet man sich mit aufmerksamen Gegnern an einem Tisch, besteht eine gewisse Verbindung zwischen dem Slow Play Spielen und dem Bluffen. Dies bedingt sich durch den Umstand, dass sich die Häufigkeit von Bluffs direkt auf die Wirksamkeit des Slow Play auswirkt. Auch umgekehrt ist dies der Fall. Hat ein Spieler an seinem Tisch das Image, ein sehr aggressiver Spieler zu sein, der häufig blufft, ist gerade für diesen Spieler die Pokerstrategie des Slow Plays eher zu vernachlässigen. Dies resultiert daraus, dass die Gegner bei einem solchen Verhalten grundsätzlich öfter mitgehen oder erhöhen. Sehr ähnlich verhält es sich bei einem Spieler, der von seinen Gegnern als “traddy” (nutzt häufig die Strategie Slow Play) eingeschätzt wird. Entscheidet sich ein solcher Spieler zu einem Bluff, werden die Gegner dies meist nicht wirklich respektieren, da sie erwarten, dass eben dieser Spieler seine starken Hände mit einem Slow Play taktisch weiterbringt.
Den Check-Raise mit Slow Play kombinieren
Entscheidet sich ein Spieler zu einem Check Raise, steht dies im Grunde genommen eher im Gegensatz zum Slow Play. Schließlich zielt ein Check Raise eigentlich darauf ab, möglichst viele Gegner aus dem Topf zu vertreiben, während ein Slow Play eher das Gegenteil bewirken soll. Und doch kann man das Slow Play während einer einzigen Wettrunde für einen Check Raise nutzen.
Hierzu ein anschauliches Beispiel:
Marlene, Christian, Helena und Helmut treffen sich zu einer Runde Draw Poker. Nachdem der Ante getätigt wurde, machte Marlene mit einem Paar Asse den ersten Einsatz mit 2€. Daraufhin erhöht Christian, wodurch der Einsatz nun bei 4€ liegt. Im Anschluss daran steigt Helena aus. Helmut dagegen entschließt sich zu einem Call und bringt die geforderten 4€ in den Topf. Danach legt Marlene noch einmal 2€ drauf, um sich der Erhöhung anzupassen. Nachdem Marlene drei Karten gezogen hat, hält sie nun ein weiteres As auf der Hand und dazu noch ein Paar Fünfen. Weil Marlene nun drei Asse zu bieten hat, welche so gut wie unmöglich zu schlagen sind, ist protektives Spielen nun Fehl am Platze. Aus der vorherigen Wettrunde weiß Marlene nun, dass wahrscheinlich sowohl Christian als auch Helmut starke Hände vorzuweisen haben, da Christian einen Raise getätigt hat und Helmut bei diesem Raise mitgegangen ist. Daraus kann sie schließen, dass wenigsten einer der beiden Gegner in der nächsten Runde eine Wette machen wird, auch wenn sie dies nicht tut. Auf der anderen Seite überlegt Marlene, dass Christian und Helmut bewusst ist, dass sie ihr gegenüber Stärke gezeigt haben. Wenn Marlene nun eine Wette machen würde, könnte es sein, dass einer oder gar beide aus dem Spiel aussteigt, vor allem dann, wenn sie mehr Stärke gezeigt haben, als dies der Realität entspricht. Aus diesem Grund entschließt sich Marlene nun zu einem Slow Play und unterstreicht dies mit einem Check. Ihre Strategie geht auf. Christian wiegt sich in Sicherheit und setzt 2€. Helmut überlegt kurz und geht dann mit 2€ mit. Jetzt kann Marlene die Falle zuschnappen lassen und tut dies mit einer Erhöhung um 2€. Christian gleicht seinen Einsatz der Erhöhung an und legt 2€ in den Topf. Helmut, dem wahrscheinlich an diesem Punkt ein Licht aufgeht, steigt aus. Beim Showdown deckt Christian drei Sechsen auf verliert damit den Topf an Marlene. Überdenkt man einmal den Ablauf, wird einem klar, dass Marlene ihren Gewinn durch das Slow Play Spielen erhöht hat. Hätte Marlene bereits in der zweiten Wettrunde einen Call oder Raise gemacht, hätte sie lediglich zwischen zwei und vier Euro verdient. Durch das langsame Spiel beläuft sich ihr Gewinn nun auf sechs Euro.
Diese Pokerstrategie funktioniert auch in anderen Pokerarten wie zum Beispiel dem California Lowball. Auch wenn hier der Check Raise nicht erlaubt ist, kann man die Strategie für den Slow Play entsprechend umwandeln. Hierzu kann man sich zum Beispiel dem Flat Call bedienen und zu einem späteren Zeitpunkt erhöhen.
Auf den letzten Strohhalm hoffen – Fishing for the overcall
Das sogenannte Fishing for the overcall kommt zustande, wenn ein Spieler mit der letzten Karte eine sehr starke Hand bilden kann, ein Gegner vor ihm wettet und noch mehrere Gegner nach ihm handeln müssen. An diesem Punkt entscheidet sich der Spieler gegen einen Raise und wählt den Call, um die Spieler nach davon abzuhalten auszusteigen. Damit diese Pokerstrategie aufgeht, sollten einige Grundsätze eingehalten werden:
•Derjenige, der die Wette begonnen hat, hat dies mit einem All-In getan und kann daher nicht weiter mitgehen.
•Der Spieler ist sich relativ sicher, dass der Beginner der Wette einen Bluff aufführt und deswegen mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Raise tätigen wird.
•Es sollten mehrere Gegner nach dem Spieler kommen. Handelt es sich lediglich um einen Gegner danach, würde diese Strategie keinen weiteren Gewinn bringen.
•Die anderen Teilnehmer sind gewillt, die ursprüngliche Wette mitzugehen, aber nicht dazu bereit einen Raise zu machen. Diese Spielweise opfert den Gewinn, den die Gegner durch einen Call des Raise gemacht hätten.
•Ein schönes Beispiel findet man in sogenannten High-Low Split Spielen wie dem Omaha Hold’em. Geht Thomas zum Beispiel davon aus, dass Sonja eine starke Hand zu bieten hat, kann Thomas sich mit seiner schwachen Hand für einen Flat Call entscheiden und damit dem Gegner einen Call erschweren. Würde Thomas gleich erhöhen, und keiner der Gegner würde mitgehen, hätten weder er noch Sonja einen Gewinn erzielt.
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