GEDULDSFAKTOR UND GESCHICKLICHKE

Eine ausgefeilte Pokerstrategie ist Gold wert. Für ein gutes Pokerspiel sind nicht nur gute Karten wichtig, sondern auch die passende Pokerstrategie. Gerade Profispieler haben beim Online Poker meist eine gut ausgefeilte Pokerstrategie und sind gerade aus diesem Grund eben Profis.

 
Eine besondere Bedeutung kommt bei fortgeschrittenen Pokertaktiken dem sogenannten Geschicklichkeitsniveau des Turniers zu. Anhand dieses Faktors kann man seine Pokerstrategien und Aktionen während einer Runde ideal an das Spiel anpassen und so seine Erfolgschancen um ein Vielfaches steigern.
 
Als Anhaltspunkt dient hierbei der sogenannte Geduldsfaktor, welcher als Maß für die Geschwindigkeit eines Turniers dient, und so von guten Spielern zum eigenen Vorteil während eines Spiels genutzt werden kann. Mit diesem Geduldsfaktor kann man die einzelnen Spiele auf ihren Nutzen überprüfen und so die eigene Pokerstrategie an die Gegebenheiten anpassen. Jener Geduldsfaktor hat auch direkten Einfluss auf das sogenannte Geschicklichkeitsniveau eines Turniers.
 
Dabei gibt es für den Geduldsfaktor bzw. das Geschicklichkeitsniveau folgende Rangliste:

 
• Ein Geduldsfaktor von 0 bis 1,49 steht einem Geschicklichkeitsniveau von 0 gegenüber.
• Ein Geduldsfaktor von 1,5 bis 2,99 steht einem Geschicklichkeitsniveau von 1 gegenüber.
• Ein Geduldsfaktor von 3 bis 4,49 steht einem Geschicklichkeitsniveau von 2 gegenüber.
• Ein Geduldsfaktor von 4,5 bis 5,99 steht einem Geschicklichkeitsniveau von 3 gegenüber.
• Ein Geduldsfaktor von 6 bis 7,49 steht einem Geschicklichkeitsniveau von 4 gegenüber.
• Ein Geduldsfaktor von 7,5 bis 9,99 steht einem Geschicklichkeitsniveau von 5 gegenüber.
• Ein Geduldsfaktor von 10 oder höher steht einem Geschicklichkeitsniveau von 6 gegenüber.

 
Für die obige Einteilung in Geschicklichkeitsniveaus existiert eine mathematische Grundlage, welche die Wahrscheinlichkeit einrechnet, an einem Tisch mit zehn Spielern direkt bei der Kartenausgabe und somit noch vor dem Flop eine der hochwertigen Hände zu bekommen. Handelt es sich um ein Online-Turnier, weicht diese Formel geringfügig ab.

 
Einfacher gesagt handelt es sich bei einem Geschicklichkeitsniveau um das Ausrechnen der Chancen, ein bestimmtes Blatt wie zum Beispiel ein Paar Asse, Könige oder Buben auf die Hand zu bekommen. So ist das Berechnen dieser Wahrscheinlichkeit noch relativ einfach und man kommt schnell zu einem zuverlässigen Ergebnis. Nimmt man dann diese oder auch ein paar mehr Pokerkombinationen als jene Hände zur Wahl, um in den Pot einzusteigen, hat man auf diese Weise auch gleich die prozentuale Anzahl der Spiele, die man wirklich antreten wird.

 
Stellt man in diese Wahrscheinlichkeitsrechnung einmal folgende Starthände ein, ein Paar Asse, ein Paar Könige, ein Paar Buben, ein Paar Damen, ein As mit einem König oder auch die Starthand ein As mit einer Dame, und sieht diese Kombinationen als einzige Hände an, mit denen man sich an einem Spiel beteiligt, kommt man bei dieser Rechnung auf eine Wahrscheinlichkeit von 29:1.
Im Klartext heißt das, dass man pro Stunde ungefähr eine Hand spielt. Dies würde einem keine großen Gewinne einbringen und ziemlich sicher schnell zur Unfähigkeit führen in einem Turnier weiter zu spielen. Hierbei spielt es dann auch keine Rolle mehr, ob man langsam oder schnell spielt. Jedoch sei gesagt, dass in einem schnellen Spiel genau diese Pokerstrategie anhand der Starthände einen Spieler recht schnell in den Ruin treiben würde.

 
Beteiligt man sich nämlich an einem Turnier, muss man bei seiner Taktik stets auch die sogenannte Blind-Off Zeit in seine Aktionen mit einbeziehen. Hierbei handelt es sich um die Zeit, die man mit seinen verfügbaren Chips durchhalten kann, um die Blinds also anfänglichen Wetteinsätze zu bringen. Diese Blind-Off Zeit beträgt in schnellen Turnieren durchschnittlich zweieinhalb Stunden. Somit würde man sich für das gesamte Turnier auf zwei oder drei Starthände setzen, was einem aller Voraussicht nach nur wenige oder im schlechtesten Fall keine Chips einbringen würde.

 
Mit dieser oder ähnlichen Pokerstrategien würde man sich also selber unnötig aus dem Turnier kicken. Zusammenfassend lässt sich hier also sagen, dass man seine Taktik, was die Starthände für den Einstieg angeht, stets an die Geschwindigkeit des Turniers anpassen sollte. Je schneller ein Turnier gespielt wird, um so mehr Kombinationen für Starthände sollte man in seine Strategie mit aufnehmen, um an möglichst vielen Spielen teilnehmen zu können. Auf diese Weise hat man auch mit einer nicht allzu guten Hand die Möglichkeit, wenigstens ein paar Chips zu stehlen zum Beispiel durch einen guten Bluff.

 
Betrachtet man den oben genannten Umstand einmal auf der Stufe eines Turniers mit dem Geschicklichkeitsniveau 0, würde man feststellen, dass das Budget an Chips für den Start ziemlich schnell erschöpft wäre. Hierbei könnte man lediglich zwei- oder dreimal die sogenannten Blind Costs leisten bevor der Stapel an Chips für weitere Blind Costs zu klein wäre, um weiter zu machen. Aus diesem Grund werden solche Turniere auch Crapshoots genannt. Nimmt man an einem solchen Spiel teil, steht man im Grunde genommen vor der Aufgabe aus dem Nichts etwas Annehmbares zu machen. Für diesen Zweck muss man dann auch mit mittelmäßigen Blättern mitgehen und sich an den sogenannten All-in Wetten beteiligen. Für einen Spieler kann dieses Spiel sehr schnell den Ruin bedeuten. Sieht man diesen Umstand einmal im Gesamtbild, kommt man zu dem Schluss, dass Turniere der Geschicklichkeitsniveaus 0 und 1 für einen Spieler nur sehr wenig Raum lassen, sein Können unter Beweis zu stellen. Bedingt durch die extreme Schnelligkeit dieser Spiele hat man einfach keine Chance, sein Können ins Spiel einzubringen.

 

Mit der Erhöhung des Geduldsfaktors steigt auch das Geschicklichkeitsniveau an

Dadurch haben auch die Spieler mehr Möglichkeiten ihr Spiel an das Tempo anzupassen und können auf diese Weise mehr von ihrem Können und ihrer Strategie in das Turnier einbringen. So hat man beim Geschicklichkeitsniveau 2 oder 3 zwar auch noch nicht besonders viel Zeit beim Spiel, kann sich jedoch anhand einer aggressiven Spielweise einen Vorteil verschaffen und so jene Spieler sozusagen ausnutzen, die auf eine gute Starthand warten. Auf diese Weise kann man seine Chips für den Start hüten und sich obendrein genügend Chips verschaffen, um sich nicht mehr auf die oben genannten All-in Wetten mit nicht erwähnenswerten Starthänden einlassen zu müssen. Solche Turniere bedürfen jedoch trotzdem keiner besonderer Pokerfähigkeiten, da sie immer noch zu schnell für ein taktisches Vorgehen sind. Am ehesten kommt man hier mit einer schnellen Pokerstrategie weiter.
 
Sieht man sich einmal das die Geschicklichkeitsniveaus 4 und 5 genauer an, sind in diesen Turnieren wirklich fortgeschrittene Kenntnisse gefordert. Dort sitzt man meist Spielern gegenüber, die einen wie Glas durchschauen und so im schlechtesten Fall auch vorführen. Diese sind risikobereit und haben bereits die Fähigkeit in Perfektion erlernt, ein gutes Blatt in slow play zu spielen. Auch scheuen sich solche Gegner nicht, alle anderen nur erdenkbaren Tricks anzuwenden und bis zum Ende durchzuziehen. Hier hat man gerade als Anfänger eigentlich keine Chance. Die einzige Möglichkeit hier wenigstens an Erfolg zu denken, besteht darin, die Spielweise selbst zu erlernen und so bei den langsamen Turnieren in die Nähe des Pots zu kommen.

 

Ein Spiel im Geschicklichkeitsniveau 0

Wie bereits oben erwähnt, ist der Geduldsfaktor bei diesem Geschicklichkeitsniveau 1,49 oder auch niedriger. Bei einem solch schnellen Spiel ist das Können eines Teilnehmer eigentlich unerheblich, da während des Spiels keine Zeit bleibt, diese einzubringen. Aus diesem Grund gewinnen bei diesen Turnieren fast immer nur die Spieler, die das beste Blatt auf der Hand halten oder auch mit einem Suck-Out.

 

Ein Spiel im Geschicklichkeitsniveau 1

Bei Spielen mit diesem Niveau bekommt langsam aber sicher auch das Können eines Spielers Bedeutung. Genau dieser Punkt kann nämlich bei einem Turnier dieser Art über den Gewinn entscheiden und letztendlich auch den Pot bringen. Grundsätzlich sind Spiele des Geschicklichkeitsniveaus 1 in kleiner Runde zu bevorzugen, da hier die Chancen einfach höher sind. Ab einer Teilnehmerzahl von 200 kann man solche Turniere auch gleich mit dem Geschicklichkeitsniveau 0 spielen, da einfach zu viele gute Spieler aufeinandertreffen und versuchen müssen, die Spieler die sich mit All-In Wetten versuchen in Schach zu halten. Ein sehr schnelles Ende ist hier vorprogrammiert.

 

Ein Spiel im Geschicklichkeitsniveau 2

Wie bereits beim vorherigen Geschicklichkeitsniveau auch tritt bei diesem immer noch sehr schnellen Spiel zunehmend auch das Können der Teilnehmer in den Vordergrund. Und trotzdem entscheidet auch hier meist immer noch das Glück über den Gewinner und nicht die Strategie. Mit ein wenig Geschick kann man jedoch immerhin den Versuch starten, sich in die vordere Reihe zu bringen. Hierfür muss man bereit sein, aus den schwachen Spielern, die das Spiel noch nicht einschätzen können, für sich selbst Vorteile zu ziehen und diese mit einem guten Speed-Play auszubooten.

 

Ein Spiel im Geschicklichkeitsniveau 3

Hier befindet man sich in der letzten Stufe für ein schnelles Spiel. Das kann zum einen ein Vorteil für fortgeschrittene Spieler sein, die das Speed-Play gut bestehen, zum anderen kann dieser Umstand aber auch gefährlich werden. Trifft man zum Beispiel auf viele ungeübte Spieler, die noch nicht wissen, wie schnell ein solches Spiel werden kann, zählt dies eindeutig zu den Vorteilen für erfahrenere Spieler. Jedoch sollte man sich auf keinen Fall in falscher Sicherheit wiegen, da in solchen Turnieren meist auch Gegner sind, die über mehr Erfahrung verfügen. Diese durchschauen einen dann meist schnell und können einem das Leben in dieser Stufe schwer machen.

 

Ein Spiel im Geschicklichkeitsniveau 4

Mit diesem Geschicklichkeitsniveau ist man endgültig bei mittelschnellen Spielen angekommen und man kann sein Können bzw. seine Erfahrung mehr und mehr ins Spiel einbringen. Nichtsdestotrotz kommt auch hier immer noch zum Teil das sogenannte Speed-Play vor. In dieser Abteilung begegnen einem zunehmend auch Spieler, die über eine längere Erfahrung und mehr Können verfügen als man selbst. In einem Spiel des Geschicklichkeitsniveaus 4 sind solche Spieler auch öfter bereit, sich das Können ihrer Mitspieler beweisen zu lassen und diese auf die Probe zu stellen. Trifft man in einem solchen Turnier jedoch auf schwächere Gegner, kann sich in der ersten Zeit auf jeden Fall ein Speed-Play lohnen und den eigenen Bankroll aufbessern.

 

Ein Spiel im Geschicklichkeitsniveau 5

In dieser Stufe befindet man sich bereits bei den mittellangsamen Spielen und kann sein Können sehr gut ausspielen. Damit man hier über die Blind Levels kommt, sollte man gerade sein Speed-Play an das der Gegner anpassen. Außerdem braucht man für Spiele in diesem Geschicklichkeitsniveau bereits sehr gute Pokerfertigkeiten, damit man überhaupt eine Chance gegen die anderen Spieler bekommt. Hier trifft man nämlich so gut wie immer auf Spieler, die bereits über eine langjährige Erfahrung verfügen und diese mit einem finanziellen Polster und dem entsprechenden Vergnügen bis an die Grenzen ausspielen. Hierbei wird man auch selber oftmals unter Beweis gestellt und muss mit einer ausgefeilten Strategie dagegen angehen. Nur dann bekommt man die Möglichkeit, sich in einer solchen Runde zu halten.

 

Ein Spiel im Geschicklichkeitsniveau 6

Stößt man auf ein Turnier im Geschicklichkeitsniveau 6, sollte man schon wirklich zu den Profis zählen, um hier Bestand zu haben. Diese Spiele sind Treffen der Besten und für Anfänger eigentlich nicht bis zum Ende durchspielbar. Hier zählen das Können und die Strategie mehr als das Glück, wodurch sich auch das Spieltempo erklärt wird. Versuchen sich mehrere ungeübte Spieler an einem solchen Turnier, kann es unter Umständen zu Beginn vorkommen, dass durch ein wenig Glück auch einer dieser Mitspieler Geld gewinnt. Trotzdem werden diese Spieler auf lange Sicht in einem Turnier des Geschicklichkeitsniveaus 6 keinen Erfolg haben und der Pot an die Profis gehen. Sicherlich spielt auch das Glück immer eine gewisse Rolle, doch gerade in dieser Stufe hat auch das Glück nur dann eine Chance, wenn das Können es zulässt.